Freiheit muss weh tun – Mein Leben

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freiheit muss weh tun hans soellner
kategorie: Buch
genre: Autobiografie
autor: Christian Seiler, Hans Söllner
verlag: Knaus

Format: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag: 320 Seiten
VÖ: 19.10.2015
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-8135-0694-5
Kaufpreis: 19,99 €

Hans Söllner ist zur Weihnacht 2015 60 Jahre jung geworden und blickt aus diesem Anlass auf das bisher Verlebte zurück. Jede Menge Verlebtes, in 70 Episoden, die in chronologische Folge gebracht sind, auf 320 Seiten. Deutlich wird, dass Söllner die Episoden vermutlich erzählt hat, diese wohl hernach durch Seiler in Textform gebracht wurden.

Für alle die Hans Söllner noch nicht kennen, hier ein kurzer Abriss. Er ist heute ein Liedermacher und Reggaemusiker, der gesellschaftskritische Texte schreibt und in diesen z.B. die politische Elite der CSU in Bayern u.a. für ihre Fremdenfeindlichkeit angreift, die juristische und polizeiliche Selbstgefälligkeit anprangert und immer wieder für Freiheit eintritt, v.a. jene, die jedem Bürger zusteht. Doch auch für jene noch nicht gewährten, etwa kämpft er für die Freigabe von Marihuana und gegen die Diskriminierung von Drogen-Konsumenten. Er singt im bayrischen Dialekt und stammt selber aus jener bayrischen Provinz, aus einem nicht unproblematischen Arbeitermilieu. Als gelernter Koch und KFZ-Mechaniker hat er auf Kleinkunstbühnen angefangen sehr pointierte und mitunter „obszöne“ Lieder zu singen, nachdem er sich selbst das begrenzte Gitarrespiel, während einer Phase der Arbeitssuche, beibrachte.

Als Liedermacher hat er zahlreiche Kämpfe führen müssen, weil immer wieder Politiker, wie Beckstein, Stoiber und sogar noch Strauß sich von seinen Texten persönlich beleidigt fühlten, etwa wenn Söllner sie den Herren Göbbels, Hitler oder ähnlichen Kalibern verglich. Auch für sein öffentliches Auftreten als Rastafari und Marihuana-Konsument hat er viel mit der Justiz und der Polizei zu tun gehabt, dieses beinah Hexenverfolgungsdimensionen annahm und dazu führte, dass sich die Positionsinhaber bayrischer Institutionen an ihm als kleinliche, spießige, rachelüsterne Apparatschiks aus Überzeugung erwiesen. Was ein Schlaglicht auf den Stand von Demokratie und Bürokratie im Allgemeinen wirft, wie der Spot, der den Verbrecher beim Ausbruch aus dem Knast einfängt, peinlich berührt sich windend, ob des Erwischtseins.

Das Textgut im Buche ist nun, der erzählenden Form nach, sprachlich recht einfach, dabei aber prägnant und deutlich, dennoch kann man vom Lektüregenuss nicht auf der Basis der Prosa-Qualität reden. Hiergegen sind die Inhalte umso interessanter. Besonders wenn man in der Lage ist, das Subjektiv-Singuläre auf eine abstrakt-objektive Ebene zu übertragen, will sagen: Wenn dieses diesem Menschen in diesem Land passieren kann, wem vielleicht noch, wem vielleicht Schlimmeres und was ist das dann eigentlich für ein Land? Diese Inhalte sind aber nicht nur an sich, als Informationen, wissenswert, sie werden durch die Erzählweise darob hinaus wirkungsvoll, indem ihnen häufig aus den Zeilen der Ton sehr trockener Ironie entsteigt und manchmal auch deutlich am Zwerchfell zu kitzeln vermag, dass einem nichts übrigbleibt, als herzhaft zu lachen. Besonders rekonstruierte Dialoge sind oft sehr köstlich. Schön sind die Anekdoten also auch in humoristischer Hinsicht, die etwas Eulenspiegelhaftes hat, etwas Spitzbübisches.

Mankos sind jedoch auch, die beanstandet werden können. Etwa wiederholt sich leider Vieles. Manche Textabschnitte ziehen sich in die Länge, glücklicherweise ist aber keiner dieser Abschnitte so lang (in Seiten), dass diese Länge übermäßig langweilte. In der größeren Menge von Abschnitten, die hübscher sind, beweist Söllner ein bemerkenswertes Gespür für die Vorkommnisse der großen Politik, die in seinen kleinen Er-Lebensbereich einstrahlen, er weiß was Moral ist und dass diese gelebt werden muss, manchmal auch gegen eine unmoralische Politik, manchmal trotz ihrer. Immer auch im Blick habend, dass man diese ändern kann, wenn man allgemein nur wollte. Manchmal sind da gar sehr tiefe Einsichten, wie z.B. der Untertitel vorführt: Freiheit muss weh tun. Oder, so das Fazit des Rezensenten, das Gute, die Ehrlichkeit, das Moralische sollte uns ein paar, auch persönliche Kosten und ein wenig Einsatz (je im Rahmen der Möglichkeiten dazu) wert sein.

Das Buch ist zu empfehlen. Trotz einer gewissen Provinzialität der Bekanntheit des Porträtierten. Trotz einer gewissen Spezialität der mit ihm verbundenen Themen. Wen also die Themen ansprechen, der greift vermutlich im Buchhandel nicht daneben, so er nach diesem Produkt langte. Für Fans ist das Buch vermutlich ohnehin ein Muss. (3/5)

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