Die Frau des Leoparden

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die frau des leoparden paul pickering
kategorie: Buch
genre: Afrika-Literatur
autor: Paul Pickering
verlag: C. Bertelsmann

Format: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag: 320 Seiten
VÖ: 06.10.2014
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-570-10210-7
Kaufpreis: 19,99 €

Man nehme Smiles, einen gezeichneten, aber äußerst talentierten Pianisten, dessen Beerdigung, einen historischen Flügel aus dem 18. Jahrhundert, eine heiße Afrikanerin, ihren Mann, den Militärgouverneur, sowie ihre anderweitige Bespaßung, dessen Bruder, ein bisschen romantisierte Naturlandschaft Kongos und ein wenig gehässiges Interpretationspotenzial der Zeitgeschichte … et voilà: Die Frau des Leoparden! Natürlich geht es noch um ein wenig mehr und eine Storyline ist auch mit dabei, aber im Großen und Ganzen muss man sich nach Beendigung der Lektüre schon eingestehen, dass man viel zu oft die Augen von den Zeilen hebt, das Gesicht verfangen in einem puzzleartigen Geflecht von Stirnrunzeln und gehirninternen „Hä?!“-Rufen. Erwähnt sei hier nur kurz die Beiwohnung des Protagonisten seiner eigenen Beisetzung (Ähm … Ja!). Während also die von atemberaubender Schönheit begnadete Lola, die den bösen Bombenblödians des Landes alle Köpfe verdreht, somit die Vorkommnisse überhaupt erst verursacht hat, und nun auch noch mit dem Pianisten ins Bett steigt, wird zwischen den Zeilen die freudige Botschaft bekannt gemacht, ein Friedenskonzert und dessen Ausstrahlung im Radio hätten die Kraft den Bürgerkrieg zu beenden. Schöne Moral eigentlich … Vielleicht nur nicht sehr realistisch.

Wie wir wissen, verbindet den Kongo und England eine leider nicht allzu freudige Geschichte. Zwar lehnte Großbritannien während der Kolonialisierung eine Annektierung des Landes ab und ließ Belgien den Raum sich dort auszutoben, verwaltet wurde das Land aber trotzdem von einem Briten. Und da hilft es nicht unbedingt, wenn der teilweise eurozentristische Autor ein britischer Weltenbummler ist, der bis vor Fertigstellung seines Buches im bürgerkriegsbefallenen Kongo herumdümpelte. Allein schon daher ist dieses Werk mit äußerster Vorsicht zu genießen. Allerdings fällt es ja immer ein wenig schwer Afrika-Literatur nicht als viel zu klischeebehaftet anzusehen. Sieht man also einmal ein wenig von dieser Tatsache ab, denn der Mann sollte nach so viel Rumdümpeln ja eigentlich doch Ahnung von der Materie haben, vielleicht nur einfach einen zu postkolonialen Ansatz, so lässt sich eine wunderbare, ja vielleicht sogar kritische Parallele zwischen den Vorkommnissen im Kongo einerseits und der vielleicht manchmal viel zu eingehend beschriebenen Internatsrealität Smiles‘ andererseits feststellen. Eine fast schon bittersüße Parodie.

Papperlapapp, das Buch ist ein Auf und Ab. Und davon ganz viel. Wer sich also darauf einlassen möchte, den möchte ich willkommen heißen, sich durch die abgefahrenen Zeilen driften zu lassen. Wem das zu bunt ist, der soll’s lassen. (3/5)

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