Rusconi – History Sugar Dream

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rusconi history sugar dream cover
kategorie: Musik
label: Qilin Records
genre: Jazz
medium: CD

VÖ: 21.03.2014

Angstvoll starrt der Rezensent den Stapel seines Schreibtisches an, das oben Aufliegende Album History Sugar Dream von Rusconi wird ihm als zweifacher Echo-Preisträger angepriesen. Mit zitternder Klaue schnappt er danach und legt ein, aus Furcht vor Gehörgang-Infizierung oder -Vereiterung mit Pop-Müll-Keimen aller Echo-Pop-Preisträger. Doch da erkennt er, irgendjemand sei tausend Dank, es handelt sich um Jazz (!!!)-Echo-Preisträger. Also Augen zu und Ohren weit auf.

Erste Frage, ist das, was man auf History Sugar Dream zu hören bekommt, noch Jazz? Naja, soso, bisschen schon, nicht in Allem, aber Vielem. Poppig bis „bloß“ geräuschvoll, die Spannbreite der Ausreißer in andere Genre, die gut getroffen. Dabei zwischeneingestreut Instrumenten-Virtuosität. Das Extra ist zwar nicht soooo extravagant, aber das Solistische kommt vor, hervor aus oft Harmonischem. Hin und wieder Säuselndes aus Kehlen, am Beginn und mittendrin gar richtiger Gesang, sogar pointiert in Positionierung und also meist gelungen.

Der Bass prominent. Klimpernd mischt sich das Piano ein. Vorher die Synthies. Dann schrillt das Geklöppel auf den Trommeln, widerborstig. Das Elektronische verzehrt sich nach Verzerrung. Spiel und Experiment, im Ausprobieren, einer Idee, eines Miss-Tones, in Schönheitskonkurrenz. Nanu, da kommt ja ein Beat um die Ecke, zum Po-Mitschwingen geeignet. Break. Das Schlagwerk hebt wieder an. Drüberjault es leise, beinah schüchtern-hündisch. Das funktioniert. Solch Vermischung. Sogar beinahe vorzüglich. Als Album ist History Sugar Dream dadurch zwar ein bisschen uneinheitlich, als Gesamtkonzept manchmal also vielleicht bisschen schräg. Stört nicht weiter. Nach dem Ausklingen, Taste anvisieren, Finger versteifen, Muskulatur eingeschaltet, das Gelenk geölt, Vorschub, der Rezensent drückt erneut: Play. (4/5)

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