Wir hatten nix, nur Umlaute

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wir hatten nix nur umlaute nils heinrich
kategorie: Buch
genre: Ostalgie
autor: Nils Heinrich
verlag: rororo

Format: Taschenbuch: 256 Seiten
VÖ: 02.01.2013
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-499-62963-1
Kaufpreis: 8,99 €

Na das ist doch mal was! Da wird man gleich zu Anfang auf ein kleines Podest gehoben. Nur aufgrund der leisen Tatsache, dass man es sich doch einmal zur Aufgabe gemacht hat eines dieser unzähligen DDR-Bücher in die Hand zu nehmen, aufzuschlagen und klammheimlich die ersten kümmerlichen Zeilchen zu lesen. Man möchte ja mal reingelesen haben … und naja, Geschichte aus erster Hand, Zeitzeugen und so … Herzlichen Glückwunsch! steht da. Dies sei ein Buch nicht nur über die Zeit zuvor, währenddessen, oder wie oder was, nein! Es handelt sich um ein waschechtes Originalexemplar eines Jemanden, der nicht von rasanten Stasiverfolgungsjagden zu berichten hat, sondern von Kindheitserinnerungen eines piepnormalen, leider oft kränklichen Burschen aus dem verschlafenen Tierverarbeitungsfabrikdorf Sangerhausen. Autobiografisch schreitet Heinrich so seinen Weg in Begleitung des Lesers von seinen ersten Niesanfällen, über Schulzeit, Bäckerlehre und so weiter bis hin in sein heutiges Leben.

Nun aber ans Eingemachte … Herr Heinrich macht seine Sache auf jeden Fall nicht schlecht. Mit charmantem Insiderwissen und der nötigen Objektivität gibt er seiner doch recht persönlichen Geschichte Pfeffer. Oder Zucker, je nachdem. Dabei wird von der Zwangsmitgliedschaft der „Thälmännschen Jungpioniere“ bis hin zum immer noch bekannten und sehr begehrten „Elsterglanz“ nichts ausgelassen. Zyniker und Kritiker kommen ebenfalls auf ihre Kosten, es wird aber auch mit alten und teils verhassten Vorurteilen aufgeräumt („Ey, Ossi! Kennst du das hier? Das sind Rosinen“).

Ob das Ganze nun also ein herausragender Schmöker ist, der von brillanter Authentizität zeugt, dazu müsste man im Bereich Ostalgie-Schmöker auf jeden Fall ein wenig belesener sein. Allerdings kann ich von Stolz sagen, dass ich soeben mein erstes DDR-Buch beendet habe und mir den einen oder anderen Schmunzler in der Bahn nicht verkneifen konnte. (5/5)

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