Tucholsky

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tucholsky rolf hosfeld
kategorie: Buch
genre: Biographie
autor: Rolf Hosfeld
verlag: Siedler

Format: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag: 312 Seiten
VÖ: 12.03.2012
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-88680-974-5
Kaufpreis: 21,99 €

„Eine neue Tucholsky-Biographie ist erschienen, des Dichters und Zeitkritikers Leben zu erzählen, das gewiss erzählenswert“. So klingt das Selbstzitat, bezüglich des zweiten hier rezensierten Hosfeld-Buches, statt Heine nun also Tucholsky. Jener, genau wie dieser, Prophet und Seismograph an den Erschütterungen seiner Zeit. Auch jener als Zeitungsschreiber, der vom Deutschen an und für sich oder dem was seine Zeitgenossen dafür hielten, floh wie vor der Dummheit, die ein Synonym dafür ist. Ein Friedensstifter und Anti-Militarist, der gleichsam mit der Feder stritt, die, scheint es, nur im Sprichwort und im Geiste derer, die noch das Geistige zu bewegen vermögen, gegen das Schwert obsiegt. Und dieser gab es in allen Zeiten zu wenige.

Ein Grund mehr sich die Biographie anzuschaffen. Darinnen man, wie schon bei Heine, die Welt der Subjekte und nicht nur die Subjekte in der Welt beschrieben findet. Mit Stil und Geschmack das Gruselkabinett des Abgeben-Müssens und das traumhafte Theater der wenigen, aber geliebt wirklichen Mit-Menschen. Deren kreuzende Lebenswege ein Stück mitgegangen werden.

Wenn einer in Zeiten des Wahnsinns einen kühlen Kopf bewahrt, wenn bei all dem „das hat niemand kommen sehen“-Stuss wenigstens dieser es gesehen und in der Zeitung geschrieben hat, wenn ein Buch seiner Zeit so aus dem Seelchen von Liebe plaudert und die gespaltenen Persönlichkeiten, die nur so die erzwungenen Brüche tragen, sich einmischen, ihren Ton von Mäßigung und Spiegelung in den Lärm hineinklingen lassen, dann ist die Ursache und der Grund all dessen es wert, sich mit ihm zu befassen.

Kaum ist nötig es zu sagen, worauf hier verwiesen war. Deutsches Reich unter Preußen, erster Weltkrieg, eine sehr deutsche Revolution, die Zwischenkriegswirrnis und die Machtübernahme der Nazis, und bei alle dem auch: Rheinsberg.

Ein deutsches Leben, wie der Untertitel kündet. Das auch ein Zeitungsleben war, ein Liebesleben und das Blicken des Intellektuellen, auf das Nicht-verstehen-wollen, das nicht zu verstehen ist. Aber zu bekämpfen. Und sei es mit Verständigung, mit Zwang zum Augenöffnen. Etwa den „Erbfeind“ vorführend, dabei festzustellen, dass der nichts Feindliches hat. Die Verbrecher in die Öffentlichkeit zu zerren, wo das Recht hierzu Unwillens war und also selbst verbrecherisch und also auch in diesen öffentlichen Raum sich gezerrt sieht.

Dabei das Jüdisch-Sein nicht groß ins Gewicht fällt, so war es in der Zeit, noch eben sind die Assimilierten nichts weiter als deutsche Staats-Bürger (mit Betonung auf dem letzten Wort) gewesen, waren sie plötzlich zu Juden gemacht. Tucholsky blieb solange er lebte, leider nur bis 1935, Deutscher.

Wieder ist Hosfelds Buch vor allem Zeitdokument, ein klein Geschichtsbüchelchen. Das gewisslich das Prädikat wertvoll verdient. Wenn auch mitunter, und dies die Kritikpunkte, der Held der hier vorgelegten Geschichte, etwas verlorengeht. An Stellen da, scheint es, die Quellenlage dünn wurde, oder der Abzweig dem gefolgt werden wollte, doch zu sehr gefangennahm. Anderen Abzweigen wäre man gerne noch etwas weiter gefolgt. Manchmal wäre auch eine historisierende Hintergrundsetzung noch wünschenswert gewesen. Der die Kontextuierung des Herausgegriffenen, aus der Zeit, ein bisschen besser einbettete. Auch wenn Tucholsky nur 45 Jahre alt wurde, eine Biographie bewegten Lebens, die nur 271 Seiten reinen Textes zu diesem Leben vorweist, ist wenigstens gefühlt zu kurz geraten. Daher das Tucholsky-Buch nicht ganz an das Heine-Buch heranreicht. Aber immer noch zu überzeugen vermag. (3,5/5)

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